Hans Rudolf Zeller

Konzert zum 70. Geburtstag

HRZ

eigene Werke und Beiträge von künstlerischen Weggefährten
und befreundeten Kollegen

mit

Hans Rudolf Zeller
Dieter Schnebel | Heinz-Klaus Metzger | Rainer Riehn
Loise Ingebos | Jörg Burkhard | Edith Rom | Stephan Wunderlich

Samstag, 10. April - 20 Uhr

München, Gasteig, Kleiner Konzertsaal

Eintritt frei

Veranstaltung in Verbindung mit dem Kulturreferat der LH München


 

 
 

Hans Rudolf Zeller

Konzert zum 70. Geburtstag


Programm



Hans Rudolf Zeller

Skizzenbuch BX (1992/2002)

für Stimme, Stift und Klavier


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Heinz-Klaus Metzger

Ad vocem HRZ


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Rainer Riehn

Nichts ist doch etwas - Utrecht Mix Sampling II

für zwei Tonbandmaschinen

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René Bastian

interludes

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Dieter Schnebel

GERADE

nach und für HRZ

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Stephan Wunderlich

Das SEQUENZEN-PROJEKT

mit Louise Ingebos, Jörg Burkhardt, Edith Rom, Stephan Wunderlich

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Hans Rudolf Zeller

Studien oder Improvisationen

für Stimme und Diascriptor







 
Hans Rudolf Zeller

Skizzenbuch BX

Komposition für Stimme, Schriftcharaktere und Klavier

Schon die Klavierartikulation für Erlangen von 1990 wies Züge eines "öffentlichen Komponierens am Flügel" auf, damals allerdings nicht ohne Mithilfe der Projektionen eines Diascriptors (oder Overheadprojektors). Im Skizzenbuch BX sind derlei Züge jedoch kaum mehr zu übersehen, stellt es sich doch als großformatiges, zudem gut beleuchtetes Heft auf dem Notenpult dar, auf dessen Papierflächen jeder Hörer mitverfolgen kann, wie die Komposition Schritt für Schritt oder vielmehr Blatt für Blatt entsteht. Jederzeit kann notiert werden, was eben noch scheinbar nur probeweise gesprochen oder gespielt wurde. Und dieses Notieren und Fixieren, also Schreiben ist selber eine auffallende, geradezu dramatische Aktion, wie übrigens das sonst eher lästige Umblättern.


Zum Skizzenbuch gehören auch zwei Texte von Henri Michaux:

Und "Weiß" erscheint.Absolutes Weiß. Weiß über jedes Weiß hinaus.
Weiß der Ankunft von Weiß. Weiß ohne Kompromiß,
durch Anschluß, durch totale Auslöschung des Nicht-weißen.
Verrücktes Weiß, erschöpft und nach Weiß schreiend. Fanatisch,
wütend, Schüttelsieb der Netzhaut. Elektrisches grausames Weiß,
unversöhnlich, mörderisch. Weiß der weißen Windböen, Gott
des "Weiß". Nein, nicht ein Gott, ein brüllender Affe (vorausgesetzt
meine Zeilen knistern nicht). Stillstand des Weiß. Ich fühle das Weiß
wird lange etwas für mich Maßloses bewahren.

Dieses funkelnde Weiß, Weiß, Weiß! Geheimnis des Weiß. Dies Weiß
bewirkt nicht die vollständige Ausschaltung meines Willens und
meiner Entscheidungsmöglichkeiten. Dies Weiß ist Ausdruck.
Dies Weiß ängstigt mich, ich sehe darin keinerlei Form. Ich kenne
all dies Weiß auswendig. Das Weiß läßt mir keine Ruhe. Das Weiß
ist im Vordergrund. Das Weiß drückt von allen Seiten. Ich kann nichts
mehr zwischen das Weiß und mir schieben. Mein Zögern ist Weiß.
Das Weiß erschlägt mit Weiß jeden Gedanken. Ich mache mehr
Weiß als sonst etwas."

 
 
 
 
Rainer Riehn

Nichts ist doch etwas - Utrecht Mix Sampling II

für zwei Tonbandmaschinen

R.R.: "Hans Rudolf Zeller ist von Anfang an mit meiner elektronischen Arbeit vertraut und hat für sie mir fast unglaublich erscheinende Worte gefunden. Das Material, aus dem meine elektronischen Stücke montiert sind, stammt aus dem elektronischen Studio der Universität zu Utrecht, wo ich bei Gottfried Koenig arbeitete und studierte. Da ich im Studio sehr viel Versuche mit verschiedensten Ausgangsmaterialien und vor allem spannungsgesteuerten Schaltungen machte, blieben eine ganze Reihe von Bändern übrig, die ich in meinen fertiggestellten Stücken nicht verwendete.

Im Herbst 2003 regte mich Stephan Wunderlich an, im Dezember 2003 beim Festival für Experimentelle Musik in der TU-Mensa in München in einer Live-Performance diese Bänder zu benutzen, um ein improvisiertes neues Stück zu realisieren. Obwohl ich diesem Vorschlag gegenüber zunächst skeptisch war, ließ ich mich doch überreden und war dann mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Dieses live realisierte Stück Nichts ist doch etwas - Utrecht Mix Sampling war zwischen einem Vortrag von Heinz-Klaus Metzger und einer Sprach-Improvisation Hans Rudolf Zellers, die sich aus protokollierten Elementen von Metzgers Vortrag und meinem Stück speiste und mich frappierte, placiert. Heute präsentiere ich eine zweite Version dieses Stücks und widme sie Zeller nachträglich zum 70. Geburtstag.

 
 
 
 
René Bastian

interludes



R.B.: "Sinus, impulse und rauschen sind, nach G.M. Koenig, die grundkomponenten der musik, die im klassischen (sogenannten analogen) studio komponiert wird. Die produktionsmethoden dieser drei komponenten sind wie drei axiome, die nicht von einer niedrigeren stufe abgeleitet werden können.

In der algorithmisch kalkulierten musik gibt es nur noch eine komponente: den impuls. Ein klang ist eine folge von impulsen.

Das experiment findet im lautsprecher statt: wie ein elektronischer klang sich in der luft entfaltet hängt von dem lautsprecher ab, an den dieser klang gesendet wird. (Dies ist auch wahr für mikrofonierte klänge, aber bei konstruierten klängen ist es zutreffender).

Je elementarer die computersprache desto grösser ist die freiheit des komponisten jede spezialisierte musiksprache ist eine art bevormundung..."

 
 
 
 
Stephan Wunderlich

Das SEQUENZEN-PROJEKT

mit Louise Ingebos, Jörg Burkhardt, Edith Rom, Stephan Wunderlich

S.W.,10. April 2004: "Nur wenige Kollegen haben die Entstehung und Veränderung meines Sequenzen-Projektes  - durch mehrere Versionen hindurch - seit 1988 so ausführlich und intensiv miterlebt, mitgedacht und einmal sogar (bei Ferdinand Dörfler in Wartenberg) mitaufgeführt wie Hans Rudolf Zeller.

Außerdem bin ich sehr froh, daß das heutige Geburtstagskonzert ermöglicht, wieder im Ensemble mit Louise Ingebos, Jörg Burkhardt und Edith Rom zu spielen - hatten wir doch vor allem in den neunziger Jahren in etwa zwei Dutzend Aufführungen des Sequenzen-Projektes zwischen Regensburg und Hamburg einem oft kaum zu findenden oder - nach der Aufführung - verwirrten Publikum diese Musik vorgestellt und manchmal auch in erhitzten bzw. ratlosen Diskussionen zu begründen versucht.

Meistens konzentrierten sich die Fragen auf die Rhythmik des 'Stücks' (Beides, Rhythmik und 'Stück' betreffend, hängt zusammen: da die Dauer der einzelnen Töne sich aus den Primzahlen-Intervallen ableitet, die seit dem 29. Februar 1988 durch meinen willkürlichen Entschluß, unseren geläufigen Kalender mit einer eigenen Zeitzählung zu synchronisieren - einem Takt von Primzahlen quasi - gibt es, genauer besehn, keine 'Stücke' mehr, sondern 'Sequenzen', die zu einer bestimmten Zeit, und nur zu dieser aufgeführt werden sollen. Eine Aufführung umfaßt meistens mehrere Sequenzen - jede davon ist eine Art Gruppe von Primzahlen-Intervallen, umgerechnet in Sekundendauern.)

Was bei diesen Diskussionen weniger eine Rolle spielte - merkwürdigerweise - waren die anderen kompositorischen Versuche, die in das Sequenzen-Projekt einmünden, nämlich mit schwankenden Tönen zu spielen und den Ton auch in anderen Dimensionen, vor allem im Visuellen (etwas das in der bildenden Kunst dem Zeichnen entsprechen mag) und in Schrittweisen (wozu ich bisher aus dem choreographischen Bereich wenig Anregungen finden konnte) zu konkretisieren Aber vielleicht gewinnen diese Dinge ja zukünftig mehr Beachtung...

In der heutigen Aufführung werden wir erstmals die Einheit der einzelnen Sequenz teilweise aufheben, indem die vier Spieler (in modifizierter Reihenfolge) sich jeweils eine Sequenz 'aufteilen' - in der ersten Version hatte immer ein Spieler eine Sequenz vollständig gespielt. Nicht verändert werden dagegen die Gleichgewichtigkeit von Pausen und Spieldauern und der spezifische Ton für die einzelne Sequenz.

...ich wollte gestern eigentlich etwas zur Virtuosität sagen (kam aber nicht dazu) - daß es nicht wenige Musikstudenten gibt, ich meine solche, die dann bei internationalen Wettbewerben teilnehmen, die eine unglaubliche Arbeitsmenge bewältigen (müssen). Andererseits sehe ich, was artistische Leistungen angeht, im Sport, beispielsweise beim Tennis oder Skispringen oder bei den großen Radrundfahrten solche - und das Erstaunen bleibt doch oberflächlich. Denn es mischt sich mit der Sorge, daß diejenigen, die besonders beeindrucken, dies nur vermögen, wenn sie sich sebst möglicherweise Schaden zufügen - und wie sollte dies nicht auch jene treffen, die 'nur' daran teilnehmen, als Publikum? Sollte also die Musik vielleicht doch etwas ganz anderes brauchen?" 

 

 
 
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...da gab es früher eine Performance von Zeller mit dem Titel Denkfigur, die mir als ein Glanzpunkt in Erinnerung geblieben ist. Und das ging so in einem Guß eins ins andere, daß ich annehme, das ist der Ansatzpunkt für Performance, von dem her auch die Scriptophonie mit vorzustellen ist...

...Die Scriptophonie beschäftigt Zeller anscheinend schon sehr lange und immer wieder und daß das authentisch läuft, das ersehe ich aus dem Vergleich mit der Denkfigur: ...daß der Mann, der da steht, auf seinen Notizblock schaut, unter Umständen in umgekehrter Form, sich selber anschaut und eine Denkfigur macht, indem er denkt. Das geht gut ineinander...

Michael Kopfermann in einem Gespräch mit Stephan Wunderlich am 5. April 2004

Mehr unter: http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/hrz70_02.htm#kopfermann



 
 

...hochoriginelles, einzigartiges Kunstmachen,
auf ganz andere Weise Audiovisuelles zu zeigen
als üblich.

..dazu gehört, daß Zeller Dinge "herauspreßt",
an die andere nicht denken...

Deshalb wird alles - auch in der Darstellungsweise -
so auffällig komplex...


Josef Anton Riedl, Murnau 8.5.2004








Der Musiktheoretiker und Autor mehrdimensionaler Kompositionen, Hans Rudolf Zeller, verwendet Overheadprojektoren, um Interaktionen zwischen Denken, Sprechen und Schreiben zu visualisieren...

Zeller benutzt die Schreibfläche zur Auseinandersetzung mit Schrift und Gedanke. Duktus der Handschrift und Gestik korrespondieren mit Sprech- und Hörfiguren. Diese eher intimen expressiven Vorgänge werden durch die Projektion "veröffentlicht". Da die Folie frei bewegt werden kann, läßt sich das Tempo der Aktion furios steigern...

Hans Essel, Verein für experimentelle Musik

Mehr unter: http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/hrz70_02.htm#essel





 
 

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Hans Rudolf Zeller, geboren 1934 in Berlin, Studien in Freiburg und Köln. Seit 1959 Essays, Rundfunksendungen, Übersetzungen und experimentelle Texte. Mitarbeiter der Schriftenreihe MUSIK-KONZEPTE und der ZEITSCHRIFT FÜR EXPERIMENTELLE MUSIK. Editionen: Dieter Schnebel Denkbare Musik (1972) und Cage Box (1979). Xenakis-Ausstellung in Bonn (1974). Veranstaltungsreihe über Musik der anderen Tradition (Bonn 1981), über das Gesamtwerk von Alban Berg (Kalkutta 1985 / München 1986), über Edgard Varese und Ferruccio Busoni (Sofia 1994). Entwurf einer kinematologischen Literatur in verschiedenen Dimensionen: Textbänder -operative Texte - Handschriften - Versuche für Sprechorgane u.a. Blablamata (1963),  kinem kontexte (1965); kinem X. Seit 1976 Medienkompositionen (Marx-Mill; Schallplattenmusik) sowie Sprech-Schriften und Stücke für Stimme(n) und Diascriptor(en)  (u.a. DENKFIGUR, DIA-LOG, Essay über Klänge, ohne abzusetzen, Klavierartikulation). In den 90er Jahren Vortragsreisen über werkspezifische Mikrotonsysteme und Modelle der Medienkomposition. Husserl-Töne für Sprecher und Folienprojektionen. Arbeiten zum Projekt Schrift - Laut - Musik mit Videoproduktionen (Scriptophonie). Siebenteilige Sendereihe: Kriterien der experimentellen Musik (1999). Mitherausgeber von Musik der anderen Tradition - Mikrotonale Tonwelten (2003). Sendereihe Zwischen Mythos und Mathematik - Iannis Xenakis und die experimentelle Musik danach (2004).



Schrift - Laut - Musik

HRZ Schrift-Laut-Musik 1
Abbildung 2         

Hans Rudolf Zeller entwickelt seit fast vierzig Jahren, ausgehend von der Schwierigkeit von Notation und deren "Zeichen", das künstlerische Konzept einer Schrift - Laut - Musik. Kompositorische Prozesse werden spielerisch Gegenstand von Komposition. Notation als Zeichensetzen, von Gedanken über Sprechen zum Schreiben. Spielfeld meist Diascriptoren, die den eher intimen Vorgang des Notierens öffentlich machen. Improvisatorische Elemente in der Ausführung erfordern eine neue Art von Ensemblespiel im Rahmen des vorgegebenen Konzepts.

HRZ Schrift-Laut-Musik 2
Abbildung 3         


Zeller schreibt:„Von Schrift-Laut-Musik wäre zu sprechen, wenn vokale Artikulationen unmittelbar ...mit skripturalen konfrontiert werden, wenn beide simultan zusammenwirken, teils einander ablösen oder ineinanderübergehen.“ Zeller hat in der Vergangenheit verschiedene Aufführungsformen für seine Schrift-Laut-Musik konzipiert. Dabei verwendet er jeweils verschiedene technische Apparate. So kann eine Aufführung allein mit Stift und Papier und der Stimme geschehen oder mit Overhaedprojektor und Stimme oder mit Overhaedprojektor, Stimme und Video-Reproduktionen (Scriptophonie). In der von SKOP herausgegebenen Dokumentation Laut - Stimme - Sprache [1] beschreibt Zeller diese verschiedenen Formen seiner Schrift-Laut-Musik. Eine Besonderheit sind die für diese Dokumentation speziell hergestellten 5 Foliogramme in 5 Varianten. Durch die Foliogramme fällt der Blick auf die 7 Fragen, die Bernhard Uske Hans Rudolf Zeller stellte zu seiner Schrift-Laut-Musik.

[1] SKOP-Dokumentation Laut - Stimme - Sprache mit Beiträgen von Heinz-Klaus Metzger,  Hans Rudolf Zeller, René Bastian, Robert Harnischmacher, Eckhard Rhode, Peter Fjodorof, Jörg Burkhardt sowie der Gruppe ZBM: 91 Textseiten, 5 Foliogramme, zwei MC‘s.

Zu beziehen beim Verlag Dietmar Fölbach, Koblenz, ISBN 3-923532-90-3 oder bei SKOP (28 Euro inkl. Versandkosten). Mail an SKOP skop@skop-ffm.de

Nach Eingang von 28 Euro auf das SKOP-Konto:
Frankfurter Sparkasse 1822, Kto.Nr. 1 245 647 847, BLZ 500 502 01
erfolgt die Verschickung der Dokumentation.

SKOP ist ein "Verein für neue künstlerische Ausdrucksformen" in Frankfurt a.M.
http://www.Skop-ffm.de



Hans Rudolf Zeller

Metaphilosophische Voraussetzungen der Schrift-Laut-Musik

Auszug aus dem erstmals in PHREN 5.-17- Jahrestagung 1981-1994 - Dokumentation Teil II erschienen Aufsatz (PHREN-Verlag München, Freiburg i. Br. 1996):

"... Wir haben zu wählen: zwischen neuartigen Bezeichnungsweisen, Zeichensystemen, um 'Neues' auszudrücken und einer neuen Bestimmung der Zeichenfunktion selbst. Ob wir im Grunde komponieren wollen, d.h. aufschreiben oder ob wir das Komponieren selbst zum Problem machen wollen. Sobald, in welcher Form auch immer, etwas fixiert wird, bewegen wir uns im zugewiesenen Feld. Erst wenn das Fixieren selbst in Frage gestellt ist, sind wir im Freien. Was heißt Komponieren? Warum wird fixiert, was geschieht eigentlich, wenn fixiert wird? Der moderne Sprachbegriff erlaubt es, für alles Ausdrückbare Zeichen zu finden. Wer daran nicht irre wird, ist entweder naiv oder bewußt reaktionär hinter radikaler Tarnfarbe.

... Wer sich dem Problem stellt, muß praktisch aufs Komponieren, wie's bisher verstanden wurde, verzichten, d.h. auf's Stücke-schreiben, 'Formen'-erfinden, 'Klangvisionen'-äußern u.a. Denn dies ist alles zur Genüge erforscht, es gibt keine unbebauten Stellen mehr (für Epigonen ist natürlich noch genug Spielraum vorhanden)... "

Mehr unter:
http://www-w2k.gsi.de/vemd/scriptop.htm

Ungekürzte Fassung unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/hrz_mvs.htm



Bild: HRZ Dia-Log 9


Aus: Hans Rudolf Zeller - DIA-LOG für zwei Akteure an zwei Diascriptoren

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/hrz_dl01.htm


Musik der anderen Tradition - Mikrotonale Tonwelten

Selbst in der avancierten neuen Musik blieb die zentrale Frage nach der Gültigkeit des temperierten Systems auch nach größten Erschütterungen wie dem Zweiten Weltkrieg weitgehend ausgeklammert. Dabei ging es immerhin um die Frage, wie Musik letztlich klingen soll, zum Beispiel welche Intervalle von welchem System erlaubt sind und welche nicht, ob Musik auf Dauer auch mit "jenem Kompromiß, das sich temperiertes System nennt, das einen auf unbestimmte Frist geschlossenen Waffenstillstand darstellt" (Schönberg), leben kann oder ob sie sich der befristeten Lösung ihres Problems endlich entledigen und anderen Stimmungen (durchaus auch im emotionalen Sinne) nachgeben und folgen muss.

Bereits 1981, vor nun mehr als zwanzig Jahren, beschäftigte sich eine von Hans Rudolf Zeller konzipierte Veranstaltungsreihe (Musik der anderen Tradition) in Bonn im Rahmen der "Tage neuer Musik" in Workshops und Konzerten ausführlich mit dieser Frage, nämlich inwieweit es neben besagter Tradition des rücksichtsvollen, um nicht zu sagen faulen Kompromisses nicht andere, von dessen Hauptstrom abweichende und daher auch immer wieder verschüttete Traditionen gibt. In der Tat kann man sie bis in die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen, und Schönberg zögerte nicht, ihre Anfänge gleich auf den ersten Seiten seiner "Harmonielehre" zu diskutieren.


Musik der anderen Tradition - Mikrotonale Tonwelten 
ist der Titel eines von Hans Rudolf Zeller mitherausgegebenen Sonderbandes der Reihe Musik-Konzepte (Hrg. Heinz-Klaus Metzger und Rainer Riehn):

edition text + kritik im Richard Borrberg Verlag, München 2003, 26 EUR
http://www.etk-muenchen.de/musik/

Flashfilme :
Hans Rudolf Zeller - Sprechschriftbild - Statische Zeichnung und Sprechen:
http://www.uni-ulm.de/uni/intgruppen/muwe/programm/medienkunst/flashfilme/1u2.html
http://www.uni-ulm.de/uni/intgruppen/muwe/programm/medienkunst/flashfilme/la.html


 
 


Heinz-Klaus Metzger, geboren am 6. Februar in Konstanz, Kindheit in Konstanz und Dortmund. Nach dem vorzeitigen Abitur absolvierte er die Meisterklasse für Klavier von Carl Seemann an der Freiburger Musikhochschule, wo er auch Dieter Schnebel kennenlernt. Anschließend geht er nach Paris, um dort bei dem Schönberg-Schüler Max Deutsch Komposition zu studieren. Daran schließen sich Studien bei Rudolf Kolisch an der Städtischen Akademie für Tonkunst in Darmstadt an. Fast von Anbeginn seiner Aktivität zog er sich auf Theorie, Kommentar und Kritik zurück. Bei den Kranichsteiner, später Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik kommt es ab 1950 zu entscheidenden Begnungen u.a. mit Edgar Varèse, Theodor W.Adorno, Luigi Nono und Karlheinz Stockhausen.

Während der "heroischen Jahre" der seriellen Musik in Paris, Darmstadt und Köln wirkte er als deren Propagator (Mitarbeiter der Schriftenfolge der Reihe, Wien, seit 1955), trat schließlich als erster europäischer Exeget John Cages auf und wurde Wortführer der kompositorischen Anarchie (u.a. mit dem Kölner "Manifest" von 1960 und als Redaktionsmitglied von Collage, Palermo).

In den fünfziger und sechziger Jahren lebt Metzger an wechselnden Orten in Deutschland, Frankreich, Italien, Tunesien und der Schweiz, arbeitet zeitweise als Musikkritiker in Köln und hält Vorlesungen in Stockholm und Krakau. Von 1965 bis 1968 berichtete er als Musikkritiker der Weltwoch in Zürich aus ganz Europa. 1969 gründete er gemeinsam mit Rainer Riehn das Ensemble Musica Negativa, das sich bis 1992 der Aufführung radikaler Musik widmete.

Von 1977 bis 2003 geben Metzger und Riehn die Reihe Musik-Konzepte in der edition text + kritik, München, heraus.

1987 als Chefdramaturgen der Oper Frankfurt am Main initiierten sie den Kompositionsauftrag für John Cages erste Oper, die Europeras 1 & 2.

Im Jahre 1998 verlieh die Berliner Hochschule der Künste (die heutige Universität der Künste) Heinz-Klaus Metzger die Würde eines Ehrendoktors der Philosophie.

Metzger und Riehn sind die Herausgeber der Kompositionen Theodor W.Adornos.

Ein Buch mit gesammelten Schriften von Heinz-Klaus Metzger erschien 1980 bei Suhrkamp: Musik wozu. Literatur zu Noten. hgg. von Rainer Riehn. Sein Briefwechsel mit Adorno soll bei Suhrkamp 2004 erscheinen.


 
 


Rainer Riehn, geboren am 12. November 1941 in Danzig, aufgewachsen in Dorndorf in der Nähe von Jena, in Bayern und im Ruhrgebiet. Studium der Musikwissenschaft bei Helmut Federhofer in Mainz, Kurt von Fischer in Zürich und bei Rolpf Stephan in Berlin. Später studierte er bei Gottfried Michael Koenig am Institut für elektronische Musik der Universität Utrecht/Niederlande, wo er eine Reihe von Arbeiten realisierte, u.a. Chants de Maldoror.

1969 gründete er zusammen mit Heinz-Klaus Metzger das Ensemble Musica Negativa, das sich für radikale Musik einsetze (Aufführungen u.a. von Cage, Hespos, Schnebel, Feldman und Brown). Die Gruppe, deren Dirigent und Organisator Riehn war, führte zuletzt 1992 in Athen, Frankfurt, Rom und Palermo aus Anlaß des 80. Geburtstages von John Cage einige seiner Werke auf.

Von 1977 bis 2003 gab Riehn zusammen mit Metzger in der Münchner edition text + kritik die Reihe Musik-Konzepte heraus.

1987 erteilten sie als Chefdramaturgen der Oper in Frankfurt am Main John Cage seinen ersten Opern-Kompositionsauftrag (Europeras 1 & 2).

Als Komponist ist Riehn zuletzt mit dem Streichduo nichts - als das Kinderspiel eines Erwachsenen hervorgetreten, das 2002 vom trio recherche in Konstanz uraufgeführt wurde. Außerdem hat er die von Arnold Schönberg begonnene Bearbeitung von Mahlers Lied von der Erde für Kammerensemble ausgeführt.

Rainer Riehn und Heinz-Klaus Metzger sind die Herausgeber der Kompositionen Theodor W.Adornos.


 
 


René Bastian: Mitglied im Multi-Media-Ensemble von Josef Anton Riedl 1073 bis 1979. Gründungsmitglied von C.A.R.M.E.N. (Wissenbourg).

Seit dem 16. März 2002 komponiert RB ausschließlich mit einer allgemeinen Computersprache (Python).

http://www.musiques-rb.org : Musique en Python


 
 


Dieter Schnebel, geboren 1930 in Lahr/Schwarzwald. 1949-55 Studium der Musik und Musikwissenschaft, der Theologie und Philosophie in Freiburg und Tübingen. 1955 Promotion über Schönberg. 1956-76 Pfarrer und Religionslehrer in Kaiserslautern, Frankfurt/Main und München. 1976-95 Ordentlicher Professor für Experimentelle Musik und Musikwissenschaft in Berlin. Kompositorische Tätigkeit seit 1953.

Verheiratet mit Iris Kaschnitz, 2 Kinder, 6 Enkel.

Werke (Auswahl): Stücke für Streichquartett (1954-55); Glossolalie für Sprecher und Instrumentalisten (1959-61); Visible Music für 1 Dirigenten und 1 Instrumentalisten (1960); Für Stimmen (...missa est) (1956-68); Ki-no, Nachtmusik für Projektoren und Hörer (1963-67); Maulwerke für Artikulationsorgane und Reproduktionsgeräte (1968-74); Schulmusik Stücke für nichtprofessionelle Musiker (1973-...); Schubert-Phantasie für geteiltes Orchester (1978); Körper-Sprache Organkomposition für 3-9 Ausführende (1980); Thanatos-Eros für Orchester mit Stimmen (1980-84); Iowaegerli (nach J.P. Hebel), musikalisches Kammertheater (1982); Missa für Solisten, zwei Chöre, Orchester und Orgel (1983-87); Zeichen-Sprache Musik für Gesten mit Stimme (1987-89); Sinfonie X für großes Orchester (1987-92); Majakowskis Tod - Totentanz, Opernfragment (1992-97); Ekstasis, Oratorium für Schlagzeug-Solo, Stimmen und Orchester (1995-2002). Kammermusik: Bagatellen für Klavier; Inventionen für Violoncello, Vier Stücke (Geige und Klavier) (1978-97); Sisyphos für 2 Bläser (1990); Kaschnitz-Gedichte (Stimme und Klavier) (1994); Lamah (Streichtrio mit Stimme) (1978-97).

Schriften: Mo-No Musik zum Lesen (1968); Denkbare Musik Gesammelte Schriften (1952-72); Mauricio Kagel: Musik, Theater, Film (1971); Anschläge-Ausschläge (1993). Weitere Essais über Janácek, Verdi, Schumann, Bruckner (Musi-Konzepte).


 
 


Louise Ingebos, belgische Komponistin, bis 1997 Professorin am königlichen Konservatorium in Liège und Direktorin der Musikschule in Waremme.


 
 


Jörg Burkhard, 1943 Dresden, 1945 Westzonen, 1968-1984 eigene Buchhandlung für Politik und Literatur in Heidelberg.

Erste Veröffentlichungen 1964. Bücher u.a.: als ich noch der ultrakurzwellenbub war (Verlag Das Wunderhorn); kevin limbos größter fall und zuletzt DER GROSSE ROMAN (Verlag Peter Engstier).

Seit 1984 GELD general electric language district, Elektroakustische Poesie. Aufführungen u.a. Amsterdam, Berlin, Bern, Locarno, München, Rom, Warszawa.


 
 


Edith Rom, seit 1982 tätig bei Projekten experimenteller Musik und experimentennem Theater, Leitung des Theaterprojekts Milberthofen.


 
 


Stephan Wunderlich, geboren 1952 in Nürnberg. Musikstudium (Klavier, Komposition, Dirigieren, Schlagzeug, Gesang, Musikwissenschaft) in Würzburg, Stuttgart, München. Selbstproduzierender Hörspielautor. Karl-Sczuka-Preis 1985. Leiter des Esembles für experimentelle Musik (1983-1986) und der Edition Ein Begriff des Experimentellen (2001). Vorsitzender des Vereins für experimentelle Musik München und des Kulturvereins Milbertshofen.

Aufführungen eigener Werke in Europa und den USA.


 
 
 
Michael Kopfermann, geboren 1936, Studium der Musikwissenschaft, 1966/67 Studium bei Rudolf Kolisch in den USA, seit 1968 Leitung des PHREN-Ensembles München, Mitarbeit am Büchner-Theater München und seit 1977 bei der PHREN-Theatergruppe.

Veröffentlichungen: analytische Arbeiten zu Bach, Beethoven, Bruckner, Schönberg, sowie zur Musik des PHREN-Ensembles (u.a. in Musik-Konzepte, Zeitschrift für experimentelle Musik, PHREN Verlag München).





Josef Anton Riedl wurde in München geboren, studierte bei Carl Orff und Hermann Scherchen, erhielt Anregungen durch Pierre Schaeffer sowie Förderung durch Hermann Scherchen und Carl Orff.

1959 initierte Riedl die Gründung des Siemens-Studios für elektronische Musik in München, dessen künstlerischer Leiter er wurde. Von 1974 bis 1982 leitete er das Kultur Forum in Bonn, die Tage Neuer Musik Bonn, und seit 1960 leitet er die Klang-Aktionen München. Seit 1998 ist er programmierend, organisierend für die musica viva München tätig. Zusammenarbeit mit Film- und Theaterregisseuren, Malern, Architekten, Schiftstellern.

Riedl realisiert insbesondere mit der von ihm gegründeten Gruppe Musik/Film/Dia/Licht-Galerie auf allen wichtigen In- und ausländischen Festivals Multimediakompositionen, audiovisuelle Environments, Klang-Exkursionen, Filmaufführungen mit live-gespielter Musik, Konzerte, Installationen. Riedl erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise.





Hans Essel, geboren 1948, Physiker. Klassische Geige seit 1960. Seit 1982 Improvisationen unter Verwendung von Bandmaschinen und Gründung der Improvisationgruppe SAH in Heidelberg.

Seit 1985 mit Marit Hoffmann und Thomas Stett die Gruppe ARGO (statt tradierte Wege improvisatorischer Musik zu beschreiten, ging es darum, einen eigenen Kontext für Improvisation zu entwicklen). Aufführungen in Darmstadt, Frankfurt, Wiesbaden und München.

siehe auch: http://vemd.gsi.de/essel.htm




Abbildung ganz oben sowie die Abbildungen 2 und 3 aus: Hans Rudolf Zeller - "Unterwegs in M. - morgens" für Folienband und konkrete Klänge. Aufführung am 22. Februar 1995 im Kultur Raum Milbertshofen. Folienbandausschnitte 1428 cm bis 1449 cm bzw 0 bis 42 cm bzw 336 cm bis 378 cm.


 



Hans Rudolf Zeller - Tesa-Arbeiten und Klammerausdrücke

Der Beginn der künstlerischen Arbeit mit Tesafilm ist von Hans Rudolf Zeller mit einem Kalenderblatt vom Juni 1961 fixiert worden, ihr Ende bleibt bis heute offen...

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Hans Rudolf Zeller - Tesa-Bilder - Ausstellung 2008, Schloss Kallmünz, Meran.
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