Erich Auer - Etwas Neues, Eigenartiges machen

Salto mortale von Punkt und Linie zur Fläche in den Raum - Die Zeichnungen, Bilder und Objekte von Erich Auer

Selbst bei einer bloß oberflächlichen Betrachtung der Kunstwerke Erich Auers, fällt ihr Zug zur großzügigen, dynamisch-ausgreifenden Geste auf. Den Salto mortale von Punkt und Linie zur Fläche, und von dort in den dreidimensionalen Raum, vollziehen sie mit müheloser Leichtigkeit. Alleine schon deshalb sind seine Arbeiten eher Momentaufnahmen einer ständig fortlaufenden Metamorphose von Farben und Figuren, denn eine Ansammlung jeweils in sich abgeschlossener Artefakte.

Die plötzlichen Sprünge, Abweichungen und spontanen Kehrtwendungen in der Linienführung seiner Zeichnungen und Bilder, die Unebenheiten und schroffe Kantigkeit seiner plastischen Objekte, ja sogar noch die von Auer offensiv betonte "Ärmlichkeit" der von ihm verwendeten Materialien wie Filzstifte, Buntpapier, Verpackungskartons oder Landkarten, sind auf eine besondere Form von Schönheit gerichtet: Einer rauhen, widerständigen Schönheit, welche die durch makellose Glätte und unnahbare Perfektion gekennzeichnete Schönheitsillussion, wie sie alltäglich in den Bildern der Werbeindustrie auftritt, sprengt und zerstreut. Dergestalt setzt der Münchner Künstler das so entscheidende Vermögen der Kunst zur Lücke und experimentellen Improvisation wieder in sein Recht ein. Auers Arbeiten machen sich somit die unvergleichliche Produktivität zunutze, welche dem Mangel entspricht.
Hierzu bedient er sich paradoxerweise einer Spielart künstlerischer bzw. kunsthandwerklicher Artikulation, die wie kaum eine zweite, die sterile Selbstbezüglichkeit und dekorative Verselbständigung des Idelas "reiner" Schönheit repräsentiert: das Ornament. Doch während ansonsten der ornamentale Gestaltungswille die konkreten, in der Natur aufgefundenen Musterungen und Formationen lediglich aufgreift, um sie in abstrakte, d.h. inhaltlich leere und beziehungslose Zeichengebilde zu verwandeln, wird in den Werken Auers jener Prozeß gleichsam umgekehrt. Indem sie das Ornamentale bis an seine Grenze steigern, gelingt es ihnen nicht nur, das für jedes künstlerische Produkt unverzichtbare Moment seiner Künstlichkeit und Abstraktheit herauszustellen, sondern, aufgrund ihrer deutlich sichtbaren Verstöße gegen den Zwang zur fehlerlosen Mustergültigkeit, lassen sie zugleich die Spuren der konkreten, sie erzeugenden künstlerischen Arbeit wieder sichtbar werden: Ornament revisited.

Thomas Wimmer 2004

 
 
 


Erich Auer - Abb. ea_021k1


 
 
 
 
 
 

"ikonograffiti"... Den interessantesten, und zugleich originellsten künstlerischen Ansatz dürfte in der Ausstellung der 1936 in München geborene Erich Auer vertreten. Seine Arbeiten stellen eine überzeugende "Mischung" zwischen konzeptueller und sinnlicher Kunstauffassung dar. In einer gekonnten Wortschöpfung bezeichnet Erich Auer seine Arbeiten als "ikonograffiti". Wie ein Gespinst von Schnittmusterbögen legen sich exakt ausgeführte Zeichnungen immer und immer wieder zu einem undurchdringlichen Geflecht von Linien übereinander, verwirren sich da, verdichten sich dort.

Die Kunst Erich Auers erscheint als eine äußerst reduzierte, minimalistische Konzeption. Interessant sind auch die dreidimensionalen Arbeiten des Künstlers. Wie ein Schiffskiel durchschneidet eine elegant geschwungene Karton-Wand den ersten Raum der Kulturwerkstätte. Das Material Karton ist es, was den Künstler reizt. Es ist die Spannung zwischen Material und Zeichnung, zwischen vorgefundenem und Gemachtem, zwischen Leichten und Schwerem, welches von Erich Auer in einen kreativen Balance-Zustand geführt und gehalten wird... [1]



... Der Dreiklang der Exponate im "Haus 10" baut einen ästhetisch spannungsvollen Pendelgang zwischen Linie, Farbe und Fläche auf, zwischen Verweisen und Entsagen.
Die "45 Möglichkeiten" Erich Auers fordern den Betrachter auf, die Liniengefüge zu neuen Einheiten zu verbinden: Der Blick unterliegt nach geraumer Zeit nicht mehr dem Zwang festzuhalten, gleitet durch die Liniengeflechte hindurch, erstellt Flächen und Räume und verliert sich an den schwarzen Linien vorbei im weißen Hintergrund.
Als "ikonograffiti" bezeichnet der Maler treffend seine Liniengefüge. Der Prozeß der zeichnerischen Aneignung ist spontan: Formen und Linien verschleifen sich, schreiben sich fest. Gleichsam widersetzen sie sich jeder endgültigen Fixierung - alle Arbeiten Erich Auers sind ungerahmt - und führen sich endlos bis in den realen Raum fort... [2]


[1], [2] : Auszüge aus Rezensionen

 
 
 
Erich Auer - Zeichnungen, Bilder, Objekte
http://www.boa-muenchen.org/erich-auer/index.htm
 
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