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. ..  Lügengewebe II
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  Hommingberger Gepardenforelle

    Was Suchmaschinen bevorzugt auflisten
 
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   Die Hommingberger Gepardenforelle ist gelb, hat schwarze Flecken, einen eigenartig anmutenden Kopf in Raubtierform - und sie ist ungemein populär. Die Suchmaschine Google liefert bei Eingabe dieses Stichworts mehr als drei Millionen Fundstellen.

Das ist ummso verwunderlicher, als es die Hommingberger Gepardenforelle überhaupt nicht gibt. Sie ist ein Kunstprodukt der Computerzeitschrift c't (Ausgabe 9/05) - erfunden um zu testen, wie sich Suchmaschinen austricksen lassen. Ein gerade abgeschlossener Wettbewerb hatte zum Ziel, Webseiten zu erstellen, die in den Trefferlisten von Google.de, Yahoo.de, MSN.de und Seekport.de für die Abfrage 'Hommingberger Gepardenforelle' Spitzenpositionen belegen. Das Ergebnis: Die Qualität der Inhalte von Web-Seiten trägt nur teilweise zum Erfolg der Suchmaschinen bei. Mindestens genauso wichtig ist der Bekanntheitsgrad  - und der lässt sich auf durchaus fragliche Weise steigern.

Zu den Sites, die ihre Position verbessern konnten, zählt das Hommingberger Gepardenforellen Blog [http://www.hommingberger-gepardenforelle-blog.de]. Das Blog, aufgesetzt vom Auszubildenden Oliver Baumgart der Web-Agentur COM.POSiTUM, war zwar nicht das einzige Weblog im Wettbewerb, hat aber am erfolgreichsten mit guten Einfällen immer wieder neue Inhalte generiert (und damit auch Links auf sich gezogen). So veranstaltete es einen Poetry-Slam-Wettbewerb, bei dem es darum ging, Gepardenforellen-Gedichte zu reimen. Mit solchen Aktionen hat sich das Blog auf den sechsten Platz hochgearbeitet.

Dass Inhalt nicht gleich Inhalt ist, zeigten die Teilnehmer des Seminars "Internet-Suchmaschinen" an der Universität Kassel. Sie ließen sich mit Hilfe eines Computerprogramms aus Textbausteinen einen formal korrekten, aber vollkommen inhaltsfreien wissenschaftlichen Aufsatz generieren. Die Nonsenstudie wurde anschließend automatisch ins Deutsche übersetzt, wobei beliebige Substantive gegen den Namen des imaginären Fisches ausgetauscht wurden. Fertig war die falsche Forellenforschung. Zudem setzten die Kasseler Studenten auf die massive Verlinkung ihres Angebots. Viele andere Web-Seten der Universität verwiesen auf die Seite [http://www.kde.cs.uni-kassel.de/lehre/ss2005/googlespam], und sogar in der Lokalpresse wurde um Link-Spenden gebeten.

Die Seminar-Website zeigt anschaulich, dass von Google geschätzte, aktuelle Inhalte für den Surfer ohne jeden Wert sein können.

Mehr unter:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/67419

 
 

.     Quellen: heise-online; sz, 13.01.2006
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