Betr.: Gesellschaft und Politik
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SCHIEFLAGE
Die Verteilung von Reichtum und Arbeit

Die Bundesrepublik ist in eine Schieflage geraten: Mit dem Anstieg der Massenarbeits- losigkeit sind immer mehr Menschen unter die Armutsgrenze gerutscht. Über eine Million Kinder wachsen unter Bedingungen der Armut auf. Immer mehr Menschen sind auf Sozialhilfe angewiesen. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Superreichen, der Millionäre und Milliardäre erhöht. Die Kluft zwischen den Einkommen aus abhängiger Beschäftigung und den Gewinneinkommen ist erheblich größer geworden. Stärker noch hat die Ungleichheit bei der Vermögensverteilung zugenommen. Die Verteilung des Reichtums ist deshalb gemeinsam mit der Verteilung der Arbeit das erstrangige politische Thema. Allerdings gilt es als altmodisch und unschicklich, bestehende Verteilungsstrukturen in Frage zu stellen und eine andere Verteilung zu fordern. In der öffentlichen Diskussion werden statt dessen unter dem Druck der verfestigten Massenarbeitslosigkeit 'Standort-Probleme' in den Vordergrund gerückt: Die in Zeiten der Globalisierung gefährdete Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gelte es zu erhalten. Verteilungsprobleme werden verdrängt. Doch die Schieflage der Verteilung belastet sowohl das volkswirtschaftliche Leistungspotential als auch die Demokratie. Dagegen trägt eine gerechte Verteilung des Reichtums zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit bei. Zudem erfüllt sie die gesellschaftliche Aufgabe, allen Bürgerinnen und Bürgern eine demokratische Beteiligung zu ermöglichen.
  Die beiden Sozialethiker Friedhelm Hengsbach und Mathias Möhrin-Hesse haben ein Buch herausgegeben, das die Verteilungspolitik kritisch ins öffentliche Licht rücktl:
 
 


Aus der Schieflage heraus.
Demokratische Verteilung von Reichtum und Arbeit.
DIETZ VERLAG, kt, 208 S., mit Übers., ISBN: 3-8012-0278-X

Die These der Autoren: Ohne volkswirtschaftliche Funktionsregeln zu verkennen, müssen die Strukturen der Verteilung des Reichtums und der Arbeit neu bestimmt werden, und zwar erstrangig nach den Maßstäben demokratischer Beteiligung. Dazu sind tiefgreifende wirtschafts- und sozialpolitische Reformen erforderlich. 
 

Friedhelm Hengsbach

ist Professor an der katholischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt 
und leitet das Frankfurter Oswald Nell-Breuning-Institut. Er gilt als 
geistiger Erbe Nell-Breunings, der die moderne katholische Soziallehre 
begründete.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Zahl der Millionäre in zehn Jahren verdoppelt
Wiesbaden (AP) 17.März 1999 - Die Zahl der Millionäre in Westdeutschland hat sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes innerhalb von zehn Jahren fast verdoppelt. Die Zahl der steuerlichen Vermögensmillionäre kletterte von 1985 bis 1955 um fast drei Viertel auf über 155000. Die Reichen veranlagen dabei allein ein Gesamtvermögen von 563 Milliarden DM.    zurück
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


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Gigantische Spreizung der Vermögen
"Ein drastisches Gefälle zwischen Arm und Reich in Deutschland" registriert der Caritas-Verband, der am 21. Oktober eine Armutsstudie vorlegte.

Nach dieser Studie verfügt das untere Zehntel der Bevölkerung über ein 25stel (4,1 Prozent) des Gesamteinkommens, das obere Fünftel dagegen über ein Drittel.
Mehr als sieben Millionen Menschen (8,7 Prozent), darunter eine Million Minderjährige, gehören demnach zu einem "sich verfestigenden Sockel einer Armutsbevölkerung"; sie haben weniger als 924 Mark monatlich zur Verfügung, nicht mal die Hälfte des durchschnittlichen Netto-Einkommens. Ein weiteres Viertel (20 Millionen Menschen) lebten "im prekären Wohlstand". Unvorhergesehene Arbeitslosigkeit oder Krankheit könnten sie jederzeit unter die Armutsgrenze geraten lassen. So lebe ein Drittel  der Bevölkerung mit "existenzieller Unsicherheit, wirtschaftlicher Sorge und mangelnder Daseinsfürsorge".
Noch ungleicher sind laut Studie die Vermögen (Guthaben und Immobilien) verteilt: Im Westen gehört den unteren 30 Prozent aller Haushalte nicht einmal ein Hundertstel des Gesamtvermögens von knapp 7,2 Billionen Mark. Die oberen zehn Prozent dagegen verfügen über zwei Fünftel (41 Prozent) aller Vermögen.
  In Geld umgerechnet hat das untere Zehntel aller Haushalte einen "mehr oder weniger großen Schuldenberg". Dagegen verfüge das oberste Zehntel der Haushalte über Vermögen von je mehr als einer Million Mark. Gewinnbringend verzinst werfe das Vermögen alleine dieses oberen Zehntels mehr Ertrag ab, als die unteren 40 Prozent an Vermögen überhaupt haben.
Quelle: FR v.22.10.99     zurück
 

 

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