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Wunderdroge?
Der Computer als Lernmittel

Kaum ein Kritiker geht so weit, den Computer-Unterricht völlig in Frage zu stellen. Schüler profitieren durchaus davon, wenn sie - zu gegebener Zeit - mit einem Textverarbeitungsprogramm und Datenbanken umgehen oder ein Thema im Internet recherchieren können. "Wie hilfreich Computer als Lernmittel sind, ist allerdings unklar", sagt Larry Cuban. Der Historiker von der Universität Stanford warnt; die Versprechungen der Technik im Unterricht hätten sich häufig als flüchtig erwiesen. In den zwanziger Jahren wurden Radios als wunderbares Lernmittel gepriesen, manche sahen schon die Lehrer durch Lautsprecher ersetzt. In den Fünfzigern setzten Technik-Enthusiasten auf Fernsehgeräte, die später in den Klassenzimmern verstaubten.
  Und jetzt die Computer: "Computer machen Kinder schlauer - richtig?" fragt Larry Cuban provokativ in einer kürzlich erschienenen Analyse. Nicht nur, daß Studien häufig methodologisch zweifelhaft sind, insgesamt erbringen sie Cuban zufolge auch nicht den Beweis, daß Computer für Schüler einen substantiellen Fortschritt bedeuten. Zumal da die Investitionen enorm sind: Fünf Computer pro Klassenzimmer - umgerechnet einen für jeweils fünf Kinder - ist das Ziel der US-Regierung für das Jahr 2000. Das dürfte die Schulen, die zur Zeit fünf Milliarden jährlich für Computer ausgeben, insgesamt 100 Milliarden Dollar kosten. Dabei sind die laufenden Kosten (die Rechner auf dem neuesten Stand zu halten) nicht mitgerechnet. Sie können (...) leicht nochmal 50 Prozent der ursprünglichen Investitionen ausmachen. Viel Geld für weitgehend unerfüllte Versprechen (...).
Quelle: SZ,7./8.8.1999
 

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