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. ... Von der Bauplatzbesetzung zum Atomausstieg
.  NAI HÄMMER GSAIT
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   Wyhl 1975-2000
  25 Jahre erfolgreicher Widerstand
 

Seit 25 Jahren steht die lachende Sonne als Symbol für den phantasievollen Widerstand gegen Atomanlagen und für ein neues Umweltbewusstsein.
Die Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen feiern vom 18.2. bis 20.2.2000
in Wyhl und Weisweil den 25. Jahrestag der Wyhler AKW-Bauplatzbesetzung

"Gerade vier Tage wurde im Februar 1975 im Wyhler Auenwald (im Landkreis Emmendingen) gearbeitet, um dort ein Atomkraftwerk zu bauen. Dann wurden die Arbeiten wegen des Protestes der Bevölkerung eingestellt. Die kleine südbadische Gemeinde Wyhl wurde durch die 1973 begonnenen Anti-Kernkraft-Aktionen der Winzer, Landwirte und Hausfrauen weltweit bekannt. Als in den frühen Morgenstunden des 20. Februar 1975 mehr als 400 Polizeibeamte anrückten, um 150 PlatzbesetzerInnen, darunter auch viele Frauen und Kinder, mit Hilfe von Wasserwerfern zu vertreiben, ging ein Aufschrei der Empörung durch die Republik.
In den nächsten vier Tagen fanden sich bis zu 20.000 Umweltschützer im Wyhler Auenwald ein, um gegen den Beginn der Bauarbeiten zu protestieren.
1977 wurde der Bau des geplanten Reaktors vom Verwaltungsgericht Freiburg wegen ›mangelnden Berstschutzes‹ untersagt." 1
Mit ihren  gewaltfreien Aktionen hatten die Wyhler nicht nur Mut, Ausdauer und Phantasie gezeigt, sie führten auch beispielhaft vor, was  unter "direkter Demokratie" und  unerschrockenem bürgerlichen Selbstbewusstsein zu verstehen ist.
Whyl wurde zum Ausgangspunkt der Anti-Atom-Bewegung in Deutschland. Protestaktionen in Brokdorf, Grohnde, Gorleben oder Wackersdorf bis zu den Castor-Blockaden in unseren Tagen erzeugten den nötigen  Druck auf die politisch Verantwortlichen: Die Atomausstiegs- Debatte erreichte das Berliner Parlament. Auch künftig wird Druck von unten wird nötig sein, denn die wachsweichen Ausstiegs-Szenarien der rot-grünen Regierung, muten der Bevölkerung zu, für weitere 30 Jahre und mehr, mit unberechenbaren atomaren Risiken zu leben.

boa München, 31.01.2000
 

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  Dem Atomaussteig Beine machen:
  Die Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen feierten den
  25. Jahrestag der Wyhler AKW-Bauplatzbesetzung
 
Vom 18. bis 20. Februar 2000 würdigten die Badisch- Elsässischen Bürgerinitiativen 
mit zahlreichen Veranstaltungen den 25.Jahrestag der  Wyhler Bauplatzbesetzung.

"Die Rheinlandhalle im badischen Weisweil, in der sonst Weinfeste stattfinden, war am vergangenen Sonntag (20.02.) mal mit Anti-AKW-Transparenten geschmückt.(...) Auf der Bühne erinnerten Anti-AKW-Kämpfer von einst an die Auseinandersetzungen mit Polizei, Justiz und dem AKW-Betreiber Badenwerk (...). 
'Lieber heute aktiv als radioaktiv!', 'Kein KKW in Wyhl und anderswo' - Sätze die hier entstanden sind und bundesweit die Runde machten. Whyl war die Geburtsstunde der deutschen Anti-AKW-Bewegung. Doch die Bilanz fiel am Sonntag  zwiespältig aus. 'Was nützt uns der schönste Erfolg im Wyhler Wald, wenn auch bei der zweiten Zehnjahresrevision im AKW Fessenheim wieder geschlampt wurde, wenn AKW uns weiter bedrohen', warf der Abgesandte der Elsässischen Bürgerinitiativen, Jean-Jacques Rettig, in die Runde der etwa 400 Versammelten. Nicht nur Fessenheim ging trotz aller Proteste ans Netz, auch die nahen Atomkraftwerke Leibstadt und Gösgen in der Nordschweiz konnten nicht verhindert werden.
'Von der Bauplatzbesetzung zum Atomausstieg' lautete das Motto des Abends. Dass es bis zu diesem Ziel auch nach dem Regierungsantritt der rot-grünen Bundesregierung ein weiter Weg ist, wurde von allen Rednern kritisiert. '30 Jahre Restlaufzeit sind zuviel. Wir haben keinen Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Jedes Jahr, in dem ein AKW läuft, ist ein Skandal', meinte etwa Pfarrer Peter Bloch aus dem nahegelegenen Emmendingen.
Jacqui Barclay aus der kanadischen Provinz Saskatchewan berichtete von den katastrophalen Bedingungen der Uranförderung in ihrer Heimat und dem Kampf gegen den Bau eines Atommüllendlagers. 'Vor allem die dort ansässigen Cree-Indianer sind die Opfer der Profitinteressen der Konzerne', sagte Barclay. Birgit Huneke aus Gorleben erinnerte an die bevorstehenden Castor-Transporte und kündigte Proteste an. 'Die Ruhe auf dem Land ist oft stille Wut, das verbindet das Wendland mit dem Kaiserstuhl', meinte Huneke. Bundesumweltminister Jürgen Trittin habe sich der Auseinandersetzung um den Atomausstieg über den Tisch ziehen lassen und sei dabei 'wie ein Eierdieb' davongeschlichen.
Ebenjener 'Eierdieb' hätte bei der Jubiläumsfeier zum Thema 'Von Wyhl zum Atomausstieg' in Weisweil sprechen sollen, sagte jedoch kurzfristig ab.(...)" 

(Auszug aus der Tageszeitung "junge welt" vom 22.02.2000)

Die  Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen erreicht man im Internet unter:
http://www.bund.net/suedlicher-oberrhein 
 
 

Medien-Hinweise zum Thema:
"S'Weschpennäscht - Die Chronik von Whyl"
Dokumentarfilm, BRD 1982, 105 Minuten
Produktion: Medien Werkstatt Freiburg
Als Video-Leih- oder Kaufkassette bestellbar bei:
http://www.freiburger-medienforum.de/medienwerkstatt
 

Wo alles anfing
19.02.2005 - Vor 30 Jahren wurde der Bauplatz für das AKW Wyhl besetzt. Das war der Beginn einer starken außerparlamentarischen Bewegung gegen die Atompolitik.. 
Mehr in der Tageszeitung "junge Welt":
http://www.jungewelt.de/2005/02-19/018.php

Eine Winzerin erlebt die erste Platzräumung in Wyhl (1975)
Erlebnisbericht, nachzulesen im Internet unter:
http://www.global-lernen.de/frieden/gewaltfr/aktionen/aktio_06.htm

'Ich bin stolz darauf, dabeigewesen zu sein'
Konservative Kaiserstühler und linke Studenten verhinderten Bau des AKW in Wyhl. Polizei und Landesregierung wurden überrumpelt. Ein Gespräch mit Peter Modler in der Tageszeitung "junge Welt" vom 19.02.2005:
http://www.jungewelt.de/2005/02-19/019.php

Peter Modler war früher Pressesprecher der Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen. Der studierte Theologe erhielt Berufsverbot, lernte Zimmermann und promovierte anschließend.
Er ist heute Unternehmensberater.
 

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.  quellen: mwf, 1) verein für friedenspädagogik e.v, badisch-elsässische BI-info ..

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