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. .."Zivilisationshistorische Fußnote":
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  Ist die Patentierung menschlicher
 Gene die logische Fortsetzung 
 unserer Zivilisationsgeschichte?
 
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 Philosoph  Sloterdijk   "bereichert"  die  aktuelle  Diskussion
 über Patente auf menschliche Stammzellen und Embryonen

Wenn das Europäische Patentamt ein Verfahren zur Gen-Manipulation menschlicher Stammzellen und Embryonen geschützt habe, so sei dies in der europäischen Wissenschaftskultur angelegt, meint der Karlsruher Philosoph Peter Sloterdijk. Schon im fünfzehnten Jahrhundert hätten die Anatomen "den Körper nicht mehr als Tempel des Heiligen Geistes", sondern als Maschine angesehen, "die in Teile zerlegbar ist". Nach dieser Auffassung seien Gene lediglich eine Art von Eiweißschreibmaschine und für Maschinen könne man Patente vergeben. Grundsätzliche Einwände gegen diese "logische Fortsetzung unserer Zivilisationsgeschichte" äußerte Sloterdijk nicht. Wenn sich die bestehende "Monsterfurcht" und die Sorge um eine neue "Gensklaverei" ausräumen ließe, könne man mit größerer Ruhe auf die Entwicklung der Gentechnik schauen und zu einem "wohltemperierten Kompromiss" kommen. 

boa München, 02.03.2000
 

.   quelle: faz v. 24.02.2000)

 

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