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BEKENNTNIS ZUM CYBORG
Den Menschen zur Maschine verbessern?
 

Kaum  etwas   fasziniert   die  Forscher des  neuen   Informa- tionszeitalters mehr als die Flucht aus dem eigenen Körper. Nichts, so scheint es, steht der Zukunft mehr im Weg  als das Verbleiben im vergänglichen  Fleisch.    Dieses  Trachten  der   "Cybernauten" fasziniert auch den zur Zeit prominentesten Cyberkünstler Stelios Arcadious,  genannt Stelarc.  Ginge es  nach  dem  53jährigen  Australier zypriotischer Abstammung, gehörte unser biologischer Leib abgeschafft, der alte Mensch aus Fleisch und Blut, er würde endlich erlöst - im Dasein einer Maschine. Stelarc, übt sich nunmehr seit dreißig Jahren in der sogenannten Körper- oder Performancekunst, in der programmatischen Trennung von Bewußtsein und Leib. Er ist überzeugt davon, daß seine Gestalt nicht mehr ist, als eine Hülle, die sich im Laufe der Evolution überlebt hat. Sie geht nicht mehr konform mit ihrer hochtechni- sierten Umgebung. Schon heute, so sagt der überzeugte Anhänger des kanadischen Medienapologeten Marshall McLuhan, haben sich die Menschen einem Technikapparat verschrieben, ohne den sie nicht mehr lebensfähig sind. Das Rad begreift Stelarc als eine Erweiterung des Fußes, das Buch als Fortsetzung des Auges, Kleidung als unsere zweite Haut. Im Zeitalter immenser technischer Möglichkeiten will er solche Prothesentechnik zu ihrem konsequen- ten Ende führen. Seit Jahren experimentiert Stelarc auf dem Feld einer "zeitgemäßen Erweiterung des Körpers". Seine "dritte Hand", ein durch Bauch- und Oberschenkelmuskulatur animierter Greifarm (Abb.oben), kommt in fast jeder seiner Performances zum Einsatz. Momentan denkt Stelarc darüber nach, sich ein drittes Hörorgan gleich hinter seinem linken natürlichen Ohr wachsen zu lassen. Dazu genügten ein Implantat und ein wenig plastische Chirurgie.
   Der Körperartist ist mit seinen Performances das Jahr hindurch ausgebucht. Kaum ein Kongress zum Thema Zukunft, der momentan ohne ihn stattfindet. Die Summen, die Konzerne wie IBM inzwischen in seine Projekte investieren, haben sich bei sechsstelligen Dollarbeträgen eingependelt.
1995 stellte sich Stelarc nackt und von Kopf bis Fuß verkabelt auf eine Bühne im Centre Pompidou. Was das Publikum nicht sehen konnte: Er hatte sich bei lebendigem Leibe ins Internet geschaltet und wartete darauf, daß ihm seine Mitarbeiter von drei verschiedenen Kontinenten aus massive Stomstöße verpassten. Wenig später zuckten seine Glieder im Takt der fremden Befehle in die Luft. 
Stelarc nach der schmerzhaften Vorstellung: "Faszinierende Augenblicke. Bewegungen ganz ohne Wunsch und Erinnerung." 1

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.. .. .......DEN MENSCHEN ZUR MASCHINE VERBESSERN| 2 ..

 
 
 
 
 
 
 
 

1 Quelle: Die Zeit vom 30.12.1998
2 Zwei Bundeswehrsoldaten üben in virtueller Realität an dem Flugabwehrsystem "Stinger".
  In die großen Sichtbrillen wird das Gefechtsfeld computergeneriert eingeblendet.
 
 

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