Betr.: Wissenschaft
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Gentechnische Revision 
der Menschheit?
Widernatürliche Bemächtigungsphantasien:

"Wenn wir (...) dafür sorgen wollen, daß unsere Spezies noch möglichst lange überleben kann, dann sind wir gezwungen, aus Eigeninteresse oder aus sittlicher Verantwortung für das Wohlergehen künftiger Generationen, gerade unsere Natürlichkeit aufzugeben (...) ".

"Wenn wir Selbstverpflichtung zur Humanität, zur Menschenliebe, als unsere Aufgabe und innere Verantwortung erkennen und annehmen, dann folgt daraus, daß wir die Pflicht zu einer Moral der Widernatürlichkeit akzeptieren müssen."

Die "selbstverantwortliche Abwendung vom altevolutionären Rattenrennen der Arten läßt sich als ein ganz neues Kapitel des Evolutionsprozesses verstehen, in dem die Natur, die den menschlichen Geist dazu instand setzte, die eigenen Existenzbedingungen zu durchschauen, zu einer neuen Stufe der Entfaltung fortschreitet". Man müsse sich "bewußt machen, daß man sich für das Verständnis der Bedingungen und Regeln dieser neuen Stufe natürlicher Evolution nicht auf die Bedingungen und Regeln, die bisher galten, beziehen" dürfe, vielmehr würde diese Natur "etwas anderes sein als jene der
vorangegangenen Erdzeitalter, eine vom Menschen beherrschte, vom Menschen zu gestaltende und zu bewahrende, eine vom Menschen zu verantwortende Natur, mit einem Wort: eine Natur unter Menschenhand."

"Daß dabei die Schöpfung manipuliert wird, ist richtig. Daß dies notwendig und sittlich geradezu geboten ist, um eben diese Schöpfung vor völliger Zerstörung zu retten, ist jedoch ebenfalls richtig."

Professor Hubert Markl, Biologe, 1995
Quelle: Spiegel 48/95, S.206

 
 

  "Eine vom Menschen beherrschte, vom Menschen zu gestaltende und zu bewahrende, eine von Menschen zu verantwortende Natur" soll nach Markl die einzig mögliche Rettung unseres belebten Planeten vor seiner Zerstörung sein. Eine Zerstörung wohlgemerkt, die vom Menschen selbst, besser: dem "Manager" der südlichen Hemnispäre, verursacht worden ist und weiter betrieben wird. Welch eine Anmaßung spricht aus einer solchen Proklamation. Und dies aus der Mitte Europas, auf dem Hintergrund der letzten 150 jahre Industriegeschichte:
-> unermeßliche Zerstörungen von natürlichen (physischen und biologischen) Ressourcen mit wachsender Beteiligung von Wissenschaft und Technik, deren bisherige Höchstleistung die Atombombe darstellt;
-> unseren Verstand überschreitende industrielle Vernichtungsorgien von Menschen, von sozialen Strukturen und unersetzlichen Werten durch zwei von den Industreistaaten, insbesondere Deutschland, angezettelte Weltkriege;
-> ein Wachstumsglaube, der die Umwelt fälschlicherwiese nicht 
als natürliche, beschränkt robuste Lebensgrundlage, sondern als einen, dem Menschen zugeeignete, unendlich ergiebigen Steinbruch und als beliebig schluckfähige Müllkippe betrachtet.

Professor Hans-Peter Dürr, 66
Direktor am Max-Planck-Institut 
für Physik in München
Quelle: Der Spiegel, 5/1995

 
 

  Der Gesetzgeber möge bedenken, "daß das Zurücktreten zum Beispiel des Grundrechts auf Leben oder des Staatsziels Umweltschutz gegenüber dem Grundrecht auf Forschungsfreiheit geboten" sein könne. 
Dieser bemerkenswerte Satz stammt aus einer kürzlich veröffentlichten sogenannten Denkschrift der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), die bekanntllich einen großen Teil der deutschen Forschungsmittel verteilt.

Quelle: TAZ, 17.6.1996

 
 
 

In der Philosophenszene rumort es: Der in Karlsruhe lehrende Philosoph Peter Sloterdijk hat mit einem Vortrag auf dem bayerischen Schloss Elmau einen Eklat ausgelöst. Ihm schwebt eine demokratiefreie Arbeitsgemeinschaft aus echten Philosophen und einschlägigen Gentechnikern vor, die nicht länger moralische Fragen erörtern, sondern praktische Maßnahmen ergreifen. Diesem Elitenverbund soll die Aufgabe zufallen, mithilfe von Selektion und Züchtung die genetische Revision der Gattungsgeschichte einzuleiten.
Sloterdijk fordert einen "Codex der Anthropotechniken". Für die "explizite Merkmalsplanung" sollen allein geistige Eliten zuständig sein, die sogenannten "kulturellen Hauptfraktionen" der Gesellschaft. Als erste Maßnahme erwägt er die Umstellung vom "Geburtenfatalismus" auf "optionale Geburt "und pränatale Selektion"

Quelle: Die Zeit, 02.09.1999
 

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