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. Auf dem Gebiet der Infektionskrankheiten:
Unzureichene Forschung und Ausbildung
 

   Der Tod einer 23-jährigen an Lassa-Fieber erkrankten Studentin in Würzburg hat die Diskussion über die Leistungsfähigkeit von Medizin und Pharma-Industrie neu entfacht. Führende Tropenmediziner beklagen, dass der medizinische Nachwuchs an deutschen Universitäten nicht oder nur mangelhaft auf die Phänomene der Tropenmedizin und die Folgen der Infektionskrankheiten vorbereitet werde. Kritisiert wird auch das Verhalten der Arzeneimittelhersteller, die ihre Forschungsgelder lieber in die Entwicklung gewinnversprechender Präparate stecken. Das derzeit einzige gebräuchliche Lassa-Gegenmittel ist eigentlich ein Grippe-Wirkstoff, der schon seit 30 Jahren eingesetzt wird. Ein anderes Mittel wurde nicht hergestellt, obwohl nach Darstellung der "Ärzte Zeitung" in Afrika allein am Lassa-Fieber pro Jahr über 5 000 Menschen sterben.
Weltweit wird eine starke Zunahme von bislang unbekannten und unerforschtern Infektionskrankheiten registriert, die zu den häufigsten Todesursachen gezählt werden müssen. Davon sind, was zum Beispiel Afrika anbelangt, neben der einheimischen Bevölkerung immerhin sechs Millionen Touristen, Hunderttausende von deutschen Gastarbeitern und Entwicklungshelfern betroffen. Gegenüber der afrikanischen Bevölkerung  "haben wir eine Bringschuld", sagt der Chefarzt der tropenmedizinischen Abteilung an der Missionsärztlichen Klinik in Würzburg, Professor Klaus Fleischer. Die Pharmaindustrie müsse aufhören, mit ihren "antibiotischen Muskeln" zu spielen und endlich anfangen, Mittel in weniger gewinnversprechende Projekte zu stecken. Unterstützt wird diese Forderung von August Stich am Heidelberger Institut für Parasitologie: Der Zustand in den Universitäten und auf dem Pharma-Markt stehe in krassem Widerspruch zur globalen Bedeutung der Infektionskrankheiten, für die das Lassa-Fieber nur ein gutes Beispiel sei. Eine Studie des Missionsärztlichen Institutes in Würzburg kam zu dem Ergebnis, dass nur an sieben der 37 bundesdeutschen Medizinfakultäten mit ihren rund 60 000 Medizinstudenten das Thema "Infektionskrankheiten" überhaupt Beachtung findet.

Quelle: SZ v.18.01.2000
 

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