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Evolution der Sprache
Mit Satzbau ausgestattete Sprache hat Selektionsvorteil gegenüber Kommunikationsform ohne Syntax

'Da schleicht ein größerer, schielender Ozelot in den Rhabarber-Bäumen südwestlich des mit Haien verseuchten Sees aus Vanillepudding herum, der noch hungriger aussieht als am letzten Dienstag'. 

Klare Worte?

Forscher  Martin A. Nowak und seine Kollegen vom Institute of Advanced Study in Princeton berichten in Nature [30.03.2000: pp 495-498] über ein auf der Spielthorie beruhendes mathematisches Modell, das die Bedingungen beschreibt, unter denen eine mit Satzbau ausgestattete Sprache einen Selektionsvorteil gegenüber einer Kommunikationsform ohne Syntax hätte. Bei einer Kommunikation ohne Syntax beschreiben Äußerungen - wie Wörter - ganze, bestimmte Ereignisse. Das Wort 'Lhooq!' zum Beispiel könnte dafür benutzt werden, um eine ganze Szene auszudrücken, so in der Art von: 'da schleicht ein größerer, schielender Ozelot in den Rhabarber-Bäumen südwestlich des mit Haien verseuchten Sees aus Vanillepudding herum, der noch hungriger aussieht als am letzten Dienstag'. Man nimmt an, dass so die bisher bei Tieren beobachtete Verständigung abläuft. Während nicht-syntaktische Kommunikation also Worte für Ereignisse verwendet, benutzt eine mit Satzbau versehene Sprache Worte für Objekte und Handlungen, die zu dem Ereignis beitragen. Obwohl eine syntaktische Verständigung in mancher Weise abstrakter und weniger direkt ist als eine Kommunikation ohne Satzbau, ermöglicht sie ein größeres Maß an Flexibilität, da Begebenheiten geschildert werden können, die jenseits der unmittelbaren Erfahrung liegen. So wäre zum Beispiel der Satz 'Hund beißt Mensch' in einer nicht-syntaktischen Sprache anders als 'Mensch beißt Hund' und müsste gesondert gelernt werden. In einer Kommunikation mit Satzbau hingegen kann jedes abstrakte Wort in einer im Prinzip unendlichen Anzahl von Kombinationen verwendet werden, die nicht vorher gelernt werden müssen. Nowaks Arbeitsgruppe zeigt, dass in einer ausreichend komplexen Umgebung die Kommunikation mit Satzbau die Oberhand über die nicht-syntaktische Verständigung gewinnen müsste und so Sprache enstehen sollte. 

Quelle: www.deutsche-nature.de 30.03.2000

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