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Schwarmintelligenz 

"Eine Gesellschaft kann als vielzelliger Organismus angesehen werden, mit den Individuen in der Rolle der Zellen. Das Netzwerk der Kommunikationskanäle, die die Individuen verbinden, spielt die Rolle des Nervensystems für diesen Superorganismus."
Francis Heylighen, Kbernetiker der Frien Universität Brüssel

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 Telematisch vernetzte intelligente Umwelten
Das weltumspannende Netzwerk aus Computern mit seinen rund zwei Milliarden Dokumenten und Hunderten von Nutzern erscheint zunehmend als Vorläufer eines "globalen Gehirns"

Die Verbindung zwischen zwei Nervenzellen wird verstärkt, wenn sie direkt nacheinander aktiv sind. Diesen Lernmechanismus des Gehirns haben die Forscher Francis Heylighen und Johan Bollen von der Freien Universität Brüssel auf ein Rechnernetz übertragen: Jedes Mal, wenn ein User von Dokument A zu Dokument B surft, wird dieser Link verstärkt. Darüber hinaus können Abkürzungen entstehen: Hangelt sich ein User von Dokument A zu B und dann zu C, wird ein Link zwischen A und C verstärkt - etwa indem er in einem Netzdokument besser positioniert oder gar neu angelegt wird. Anders aber als im gegenwärtigen Internet, wo die Links nur von Programmierern beeinflussbar sind, passt sich das "lernende Web" mittels Software, die auf den Netzrechnern liegt, eigenständig den Gewohnheiten der Nutzer an. Den Prototyp eines entsprechenden Web-Servers - genannt Principia Cybernetica Web - hat Bollen am Los Alamos National Laborarory im US-Bundesstaat New Mexiko bereits gebaut.

Solche Entwicklungen könnten das Internet mehr und mehr mit Eigenschaften eines biologischen Gehirns ausstatten. Ob es wirklich so weit kommt, dass künstliche Netzwerke menschenähnliches Denken und Bewusstsein entwickeln, ist zunächst noch eine Glaubensfrage. Denn bisher ist nicht geklärt, wie Bewusstsein überhaupt entsteht, noch kann man es von außen messen. "Wenn morgen ein kleines, grünes Männchen vor unserer Haustür auftauchen würde", sagt der theoretische Physiker Stephen Hawking, "könnten wir nicht entscheiden, ob es mit Bewusstsein ausgestattet und selbstbewusst oder lediglich ein Roboter ist."

Ungleich schwieriger wäre die Situation bei einem globalen Hirn, weil in ihm der vernetze Mensch Teil des Systems ist. "Nervenzellen können sich auch nicht so etwas wie Gedanken oder Abläufe in einem Gehirn vorstellen", sagt der Bielefelder Neuro-Informatiker Helge Ritter. Es ist also denkbar, dass das Internet "aufwacht", ohne dass der Mensch es merkt.

Principia Cybernetica Web:
http://pespmc1.vub.ac.be/default.html

Francis Heylighen
http://pespmc1.vub.ac.be/HEYL.html



 


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boa München 08.09.2000   | quellen: dw 18.08.2000

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